Radioaktivität am Wohnsitz?

Aus den Erfahrungen des Reaktorunfalls von Tschernobyl wurde noch im Jahr 1986 das „Integrierte Mess- und Informationssystem für die Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt“ (IMIS) errichtet.

Aufgabe von IMIS ist es, die Umwelt kontinuierlich zu überwachen, um bereits geringfügige Änderungen der Umwelt-radioaktivität flächendeckend schnell und zuverlässig erkennen sowie langfristige Trends erfassen zu können.

 

IMIS ist vor allem für eine schnelle Erfassung der radiologischen Lage in einer Unfall-situation ausgelegt.

Beim Durchzug einer radioaktiven Wolke sind die automatischen Messnetze des BfS zur Ermittlung der äußeren Strahlenbelastung (Ortsdosisleistung, ODL) und des DWD zur nuklidspezifischen Bestimmung der Radionuklidkonzentration in der Luft die wichtigsten Hilfsmittel.

Bei einem Unfall werden die Messergebnisse der ODL an derzeit ca. 1800 Standorten im 10-Minuten-Rhythmus abgerufen. Dadurch können die Ausbreitung einer radioaktiven Schadstoffwolke quasi online verfolgt und die betroffenen Gebiete sehr schnell eingegrenzt werden.

Nach Angaben des BfS würde ein Transport radioaktiver Partikel von Japan nach Europa mehrere Wochen benötigen.

Auch Sie haben über IMIS die Möglichkeit auf nachfolgender Deutschland-karte, die ihrem Wohnsitz/Aufenthaltsort nächstgelegene Messstation per Mausklick auszuwählen und sich die ermittelten Messwerte anzeigen zu lassen.

Gemessen wurde mit einem Geigerzähler die Gamma-Ortsdosisleistung, also die Strahlenexposition, die von außen auf den Menschen einwirkt. Sie wird angegeben als Äquivalentdosis, gemessen an einem bestimmen Ort pro Stunde. Die Gamma-Ortsdosisleistung wird in der Regel in der Einheit Mikrosievert pro Stunde angegeben (µSv/h).

So können Sie die natürliche (bestehend aus einer terrestrischen und einer kosmischen Komponente), von menschlichen Aktivitäten unabhängige Radioaktivität an ihrem Wohnsitz/Aufenthaltsort beobachten und Anstiege schnell feststellen.

Das integrierte Mess- und Informationssystem (IMIS)

Die aktuellen Messdaten erhalten Sie, wenn Sie auf die Karte klicken. Die Daten werden derzeit alle 24 Stunden aktualisiert.





 

 

 

Hintergrundwissen:

Im Gegensatz zu Alphateilchen, die bereits durch wenige Zentimeter Luft absorbiert werden und weder ein Blatt Papier noch die Haut des Menschen durchdringen können, und von Betateilchen, deren Durchdringungsvermögen in Luft einige Zentimeter bis Meter, in Weichteilgewebe oder Kunststoff wenige Millimeter bis Zentimeter beträgt, hat Gammastrahlung ein hohes Durchdringungsvermögen in Materie. Zur Abschirmung von Gammastrahlung müssen deshalb schwere Materialien wie beispielsweise Blei oder Beton verwendet werden.

Aus der eingeschränkten Reichweite von Alpha- und Betasstrahlung kann nicht die Ungefährlichkeit dieser Strahlungsarten abgeleitet werden. Werden sie eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen oder gelangen sie in offene Wunden, so vermögen teilweise auch geringe Dosen das Genom (Erbgut) zu schädigen und/oder diverse maligne (bösartige) Tumoren auszulösen. Das Risiko steigt mit zunehmender Dosis.

Weitere Infos:

Bundesamt für Strahlenschutz

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Eine Antwort zu Radioaktivität am Wohnsitz?

  1. boedele schreibt:

    Hi Louis,

    die Daten des BfS sind echt brauchbar. Ich wusste nicht, dass man die Daten online verfolgen kann.

    Beste Grüße
    dr.b

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