Zweckpropaganda

Widerwärtiges wurde gestern, „mal wieder“, in den Medien aufgetischt. Drei Beispiele:

„Für uns Europäer ist nicht leicht zu begreifen, wie diszipliniert die Japaner dieses mehrfache Unglück ertragen, das ihr Land heimgesucht hat. Es wäre falsch daraus zu schließen, dass die Japaner teilnahmslos sind. Die Angst im Land ist groß. Hoch geschrieben werden aber Disziplin und ein ausgeprägter Sinn für die Gemein-schaft. In diesem Kontext muss man auch das Verhalten der japanischen Techniker und Ingenieure sehen, die in den Atomanlagen ihr Leben aufs Spiel setzen“, so die  kroatische Zeitung „Vjesnik“ aus Zagreb, beim geheuchelten Versuch, uns „Altruismus“ zu lehren.

„Wir kennen weder ihre Namen noch ihre Gesichter. Aber nach der Evakuierung sind im Atomkraftwerk Fukushima rund 50 Mitarbeiter zurückgeblieben, die versuchen zu retten, was zu retten ist. Viele von ihnen sind freiwillig im Einsatz. Diese Menschen sind Helden. Ihre Tapferkeit hat sicherlich mit dem Berufsstolz zu tun, und sie erinnert an den Mut von Feuerwehrleuten und Rettungskräften. Ein Grund dürfte aber auch in der japanischen Kultur liegen: Die Menschen identifizieren sich dort stark mit ihrem Unter-nehmen, außerdem ist die Bereitschaft des Einzelnen größer als im Westen, Opfer für die Gemeinschaft zu bringen“, versuchte die estnische Zeitung „Eesti Päevaleht“ aus Tallinn zu indoktrinieren.

Völlig abgeschmackt wedelt auch das Springer-Blatt „Die Welt“ mit der Meinung eines japanischen Reaktor-Arbeiters : „Natürlich sorgt man sich um die Gesundheit und Sicherheit seiner Familie, aber man hat einfach die Pflicht, auf dem Gelände zu bleiben…“

Keine Frage, die Menschheit, insbesondere Japan, steht in der Schuld dieser „Liquidatoren“. Wenn sich der Dunst verbaler Nebelkerzen verzogen hat, wird der Blick frei auf Grundsätzlicheres, auf systemische Fehler!

Die »Gesetze der Konkurrenz«, wie sie nur vom Kapitalismus hervorgebracht werden, züchten Menschen seit frühester Jugend zu Einzelkämpfern (Kapitalisten und Lohnabhängige) heran, bei denen jeder soziale Ausgleich nur Ballast und einen Wettbewerbsnachteil darstellt.

Brennt jedoch der kapitalistische Hut lichterloh, dann soll der ausgebeutete, asozial, zum Egozentriker erzogene Lohnanhängige sein letztes geben was ihm blieb, – sein nacktes Leben –  zumindest aber soll er seinen Gemeinsinn entdecken, sich sozial aufopfern und, wenn nötig, auch „mit seiner Zunge löschen“?

Die notwendige Zweckpropaganda, das zu tun, liefern Schmierfinken der Wirtschafts-unternehmen, die, – was das Atomdesaster betrifft – in Kollaboration mit Politik, den Brand erst legten.

Verbis et opera concordare debent“ möchte man diesen Lohnschreibern entgegenschleudern und sie einladen, mit gutem Beispiel voran zu gehen!

Müsste der Atombefürworter beim Super-GAU, der Bellizist im Krieg zur Front, gäb`s weniger von diesen!

Die antiquierten Kriegstugenden und das Heldengeplapper sind mehr als geschmacklos. Traurig das Land, das (aufgrund seiner unsicheren Techno-logien) Helden nötig hat!

lg LL

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