Jakob Augstein und die große Heimsuchung

Über vergangenen und zukünftigen Antisemitismus!

Trauer um tote Juden, Solidarität mit lebenden!

Die Antisemitismus-Debatte um Jakob Augstein kann als die Fortsetzung des Historikerstreits in die Gegenwart betrachtet werden. Augenfällig dabei ist, wie Deutsche sich gegenseitig versichernd vorgeben, ihre Lektion gelernt zu haben und gerade durch ihre heftigen Reaktionen, wenn es um Israel geht, im Jahr 68 n. A. (nach Auschwitz) erahnen lassen, welch` Pensum dazu noch erforderlich sein wird.

Eine Kommentierung der Causa Jakob Augstein und Beschreibung des „deutschen Status Quo“ liefert der faktenreiche Beitrag „Die große Heimsuchung“ von Rainer Trampert, dessen Erstveröffentlichung in der Wochzeitung Jungle World erfolgte.

Die Einstellung des Gastbeitrages erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Von Rainer Trampert.

Große Erregung! Überall drängeln sich wieder deutsche Kronzeugen, die Deutschen eine tadellose Gesinnung bescheinigen. Nach 1945 mussten sie für die „Persilscheine“ auf dem Schwarzmarkt Geld berappen. Heute gibt es sie umsonst und in jeder Menge. Die Zeit fragt, ob sie „durchdrehen: Israel und seine Lobby“? Die Süddeutsche wirft dem Simon-Wiesenthal-Center (SWC) „eine Feinderklärung“ vor, die Frankfurter Allgemeine sieht „schwere intellektuelle und strategische Fehler“ des SWC. Die Frankfurter Rundschau bekennt dümmlich: „Aus Augsteins Texten spricht kein Ressentiment“. Peinlich, daher repräsentativ, solidarisiert sich der Parlamentskorrespondent der TAZ mit dem „scharfen, rationalen Kritiker“ Jakob Augstein: „Wir Antisemiten!“ Radio Brandenburg nahm Henrik M. Broder aus dem Programm: „Wir reden stattdessen mit einem Antisemitismusexperten.“ Augstein selbst immunisiert sich mit dem gebräuchlichsten Gegengift. Er bedauert, dass Juden den großartigen Kampf der Deutschen gegen den Antisemitismus schwächten, was „zwangsläufig der Fall“ sei, wenn sie ihn, den deutschen  Journalismus, kritisierten. Aber, „jeder Kritiker“ müsse damit rechnen, „als Antisemit beschimpft zu werden“. Dieser Reflex ist effektvoll, weil er mehrere Stereotype für den Gegenangriff zentriert. Er macht in routinierter Täter-Opfer-Umkehr den Deutschen zum Opfer der Juden, deklariert Juden zu Verursachern des Antisemitismus und kolportiert das Gerücht von der jüdischen Allmacht. Ja, darf denn keiner mehr Israel kritisieren in einem Land, „wo ‚Israelkritik’ Volkssport ist?“ (Titanic).

Dass bürgerliche Medien die jüdische Einrichtung mit Bannfluch belegen und Jakob Augstein ungeprüft als kritischen Journalisten durchwinken, dokumentiert, dass er einer von ihnen ist und sie es ungehörig finden, dass er gemeinsam mit Sudel-Antisemiten aufgelistet wird. Augstein ist reich und repräsentiert die deutsche Medienkultur (Spiegel, der Freitag, Phönix) und Leitkultur. Wie Martin Walser, der vor ihm seinen Ekel vor der „Auschwitzkeule“ kundtat, was die versammelten Bildungs- und Großbürger ihm mit stehenden Ovationen dankten. Augstein ist Teil der deutschen Elite, die jedes Jahr den grünen Hügel in Bayreuth hinaufwallt, um hautnah zu erleben, wie der „kulturunfähige“ Jude „Beckmesser“ in Richard Wagners Meistersingern zuerst ausgelacht und dann über die Bühne geprügelt wird.

Weder Deutschlands Elite noch sein Tresenpublikum nimmt es hin, dass Juden den deutschen Journalisten, der über Nacht ein kritischer geworden sein soll, auf die Liste setzen. Zudem Juden aus den USA, wo jeder Präsidentschaftskandidat „sich vor Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen“ zu sichern habe, so Augstein. Zwar hat der Kandidat sich bei tausend Gruppen beliebt zu machen, auch bei Schwulen, ohne dass sie in den Geruch kämen, die Welt zu beherrschen. Aber bei Juden ist das anders. „Wenn es um Israel geht, gilt keine Regel mehr,“ schreibt Augstein, „Politik, Recht, Ökonomie – wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen“. Deutsche Politik, Justiz, Wirtschaft – das alles wird von Jerusalem gesteuert? Ob dieser Ohnmacht stellt er verzweifelte Resignation zur Schau: „Israel bekommt das, was es will.“ Erst hätten „die Deutschen Hunderte von Millionen überwiesen (…) Später haben sie U-Boote hinterhergeschickt.“ Für Jerusalem setze man alle „Regeln der guten Haushaltspolitik und der marktwirtschaftlichen Ordnung (…) außer Kraft“. Auch deren Charakter will er uns nicht verheimlichen. Als Angela Merkel einmal „kurz versucht“ habe, eine kleine Gegenleistung „für die deutsche Großzügigkeit“ zu bekommen, lachten sie. Und „als die Israelis mit dem Lachen fertig waren“, da war auch Merkel fertig. Für Gregor Gysi sind die Appelle an die jüdische Weltherrschaft und Arglist gute Gründe, Augstein als „herausragenden und kritischen Journalisten“ zu würdigen. Vielleicht mögen sie sich – wegen der Kalauer. Okay, Gysi hat die Partei zusammenzuhalten. Hielte er Augstein für einen Antisemiten, müsste er gegen die Hälfte seiner Genossen Ausschlussanträge stellen.

Der antisemitische Verschwörer muss nichts wissen, nur seinen Eingebungen folgen. Wer wissen wolle, wer hinter dem Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Bengasi steckt, müsse nur fragen: „Wer profitiert davon?“ Israel, flüstert die Eingebung. Überall zünden zornige junge Männer amerikanische Fahnen an, „aber die Brandstifter sitzen anderswo“, weiß er jetzt, und deshalb seien islamistische Milizen, die mit schwerem Kriegsgerät die US-Botschaft zerstört und fliehende Botschaftsangehörige ermordet haben, „ebenso Opfer wie die Toten von Bengasi“, Opfer von „Wahnsinnigen und Skrupellosen“ in der Knesset, denen die Toten gerade gelegen kamen, weil sie gerade „immer heftiger“ darauf drängten, den Iran zu bombardieren. Ach ja, die Wut begann nach dem  Mohammed-Film des Kopten. Schnell fragt Augstein: „Kann man sich vorstellen, dass der (…) Kopte in anderem als im eigenen Auftrag handelte?“ Wir ahnen, dass der Kopte ohne Hilfe aus Israel zu gar nichts fähig war, oder vielleicht doch, „zumindest traut man … der israelischen Regierung“ so etwas zu. Der verkehrte Opferritus impliziert, dass mit jeder Hamas-Rakete die jüdische Generalschuld wächst. Wer bei Verstand ist, fragt sich: Was soll es Israel nützen, von der Welt gehasst zu werden? Warum soll Israel, wenn es Atombunker im schiitischen Iran bombardieren will, die Sunniten gegen sich aufbringen? Warum soll ein Kopte nicht fähig sein, schlechte Filme zu drehen? Augsteins antisemitischer Okkultismus taugt nicht mal fürs Astro-TV, wird aber von allen Medien, die als seriös gelten, als kritischer Journalismus gewürdigt. Wo lebe ich?

Augsteins größter Wurf ist die Opfer-Täter-Umkehr. Netanjahu führe „die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs“, schreibt er. Die Nähe zum „anschwellenden Bocksgesang“ von Botho Strauß, mit dem der ausdrücken will, dass Stammeskulturen sich durch die Tötung Fremder naturhaft regenerieren, ist kalkuliert. Er fügt bestätigend hinzu, dass Israel eben „außer Gewalt kaum eine Antwort“ kennen würde. Sein leuchtender Held Günter Grass habe zu Recht geschrieben, dass Israel „den ohnehin brüchigen Weltfrieden“ gefährde und einen Plan schmiede, der „das iranische Volk auslöschen“ könne. „Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt,“ schreibt Augstein, „dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.“ Religiöse Erlöserrhetorik aus Dankbarkeit und Bewunderung! Grass hat den Deutschen den auf ihnen lastenden Fluch genommen. Sie können nun – unter Berufung auf ihren Nobelpreisträger – Juden des beabsichtigten Völkermords und der Gefährdung des Weltfriedens bezichtigen, können die schlimmsten Taten der Deutschen auf Juden projizieren. „Es musste gesagt werden,“ atmet Augstein auf. Grass spielt in diesem Bühnenstück den „Arier“, der vor der jüdischen Bluttat warnt, und Augstein den Jünger, der ihn als Messias anbetet. Diese „Zeilen“ werden einmal „zu seinen wirkmächtigsten Worten zählen“, wie bei dem anderen die Bergpredigt. Versöhnt mit der eigenen SS-Vergangenheit, lässt es sich ruhig sterben.

Da Juden weder Völkermord noch Weltkrieg anzulasten sind, konzipieren Augstein und Grass eine fiktive Welt, in der Juden es umso mörderischer treiben würden. Die dreißig realen Kriege auf der Welt, mit denen Israel nicht das Geringste zu tun hat, werden ignoriert, so dass Krieg führende Staaten auch nicht als Kriegsgefahr in Erscheinung treten. Der Iran und Saudi Arabien bekriegen sich im Irak und in Syrien, Syrien schießt auf die Türkei, die Türkei holt die Nato zur Hilfe, im Kongo morden Stellvertreter-Milizen, Afghanistan, Sudan (…) die USA entsenden Flugzeugträger nach Asien, wo China Gewässer beansprucht, die US-Verbündete für sich reklamieren. Die realen Kriege und bedrohlichen Konflikte stellen in der Scheinwelt des Antisemiten kein Risiko dar – es gibt sie nicht, auch nicht die Opfer. Der Antisemit verhält sich zwangsläufig gegenüber anderen rassistisch, weil ihm ein einziger, von Israel getöteter Hamas-Krieger wertvoller ist als eine Million Tote mit schwarzer Haut.

Die Opfer-Täter-Umkehr begegnet uns auch in der Bewertung des Nahost-Konflikts. Manisch soll die israelische Regierung „die einzige“ sein, „die gegenwärtig den Weltfrieden (…) gefährdet“, „den so genannten arabischen Frühling für sich ausnutzt“ und „vor allem den Krieg in Syrien fördert“ (Freitag). Für den Antisemiten fördert Israel den arabischen Frühling und den Krieg in Syrien und ist gegen beide. Die Propaganda kann auf die Verkümmerung des Intellekts keine Rücksicht nehmen. Für Augstein ist die Bewaffnung Israels nicht Schutz vor Staaten, die jede Woche ihre Absicht verkünden, die Juden zu vernichten, sondern eine Bedrohung für die Verkünder. So werde der Iran durch Israel „genötigt“, „eine eigene Bombe zu haben“, und jede Waffe für Israel erhöhe den Druck auf „arabische Nachbarstaaten, selbst zum Mittel der nuklearen Aufrüstung zu greifen“. Den erklärten Feinden Israels die atomare Aufrüstung ans Herz zu legen und Israel die Entwaffnung zu gönnen, ist eine Dialektik, die gedanklich die Vernichtung der Juden in Kauf nimmt.

Augstein scheut nicht einmal Begriffe, die Israel in die Nähe des Dritten Reichs rücken. Er propagiert Gaza als „Endzeit des Menschlichen“, als „ein Gefängnis. Ein Lager (!)“, wo Menschen „zusammengepfercht hausen“. Die Gaza-Bewohner haben eine Lebenserwartung von 74 Jahren, so hoch wie in Ungarn und höher als in der Türkei und über hundert Staaten, und sie können, wenn ihnen danach ist, Raketen abschießen, um Juden zu töten. In deutschen Lagern (…) Diese Lager-Metaphorik ist genauso unanständig wie die Bluttaten, die Augstein in seinem Freitag von Eingeweihten kolportieren lässt. Da tun Juden ständig harmlosen Menschen Gewalt an, „allen voran Kinder und Frauen“. Da will sich ein Kind einen Geburtstagskuchen kaufen, „als sein junges Leben“ durch Kugeln aus einer israelischen Waffe beendet wird. Alles erinnert an den „Kindsmord“ im Mittelalter.

Jakob Augstein ist weder harmlos noch geht es ihm um Kritik an der israelischen Politik. Er erfüllt alle geläufigen Kriterien des Antisemitismus. Man stößt auf das Vorurteilssyndrom bis zu wahnhaften Projektionen, die modernen Synonyme für Judenheit: Israel oder Jerusalem, den Griff nach der Weltherrschaft, die Störung eines vermeintlichen Weltfriedens, die jüdische Verantwortung für den nächsten Weltkrieg, die Täter-Opfer-Umkehr bis zum unterstellten Völkermord, auf jüdische Blutbäder und Kindsmorde. Die Fragen, ob Augstein auf die Liste gehört oder der richtige Zeuge gefunden wurde, lenken nur ab. Man sollte den Initiatoren der Liste danken, dass sie die Weltöffentlichkeit auf den smarten antisemitischen Dauerhetzer aus Deutschlands Top-Medien aufmerksam gemacht haben.

Dieser und weitere Beiträge können auch auf der Webseite des Autors http://www.rainertrampert.de abgerufen werden!

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20 Antworten zu Jakob Augstein und die große Heimsuchung

  1. Michael Geyer schreibt:

    Ich halte es für enorm gefährlich, Antisemitismus als permanetes Instrument von Debatten zu verwenden. Er (der Begriff) verbraucht sich zunehmend. Gerade die Causa Augstein zeigt doch, dass Israelkritik per se mit Antisemitismus gleichgesetzt wird. Die vom Wiesenthal-Center herangezogenen Zitate sind einfach schwach im Vergleich zu so manch anderem Agitator. Man könnte hier ohnehin den Eindruck gewinnen, ein Herr Broder führt so einen persönlichen Feldzug.
    Wo bleibt eigentlich hier die Gegenargumentation zu dem Verhalten Israels? Kann man das Verhalten nur mit Vorwürfen des Antisemitismus rechtfertigen?

    • fidelche schreibt:

      Ich halte es für enorm gefährlich, Antisemitismus zu verharmlosen. Die Juden führen die Welt nicht an ihrem Gängelband.

      • Michael Geyer schreibt:

        Ich halte es für enorm gefährlich, den Antisemitismusvorwurf inflationär zu verwenden. Wer soll das noch ernst nehmen?
        Das Führen eines Gängelbandes wirft Augstein im Übrigen nicht den Juden im allgemeinen, sondern Netanjahu im speziellen vor. Oder wird Kritik am Bundespräsidenten auf einmal zum Fallbeil für den Protestantismus? Man sollte eindeutiger differenzieren und ggf. eine Gegenargumentation ausformulieren. Wenn diese nur aus einem Vorwurf besteht, verkehrt sich doch der Antisemitismus und die projüdische Seite (die sich alleine aus der Religionsgruppe definiert) nutzt dasselbe in Grün, was anderen angekreidet wird. Genau diese Entwicklung wird zunehmend nicht mehr toleriert, weswegen die Gesellschaft sich gegen Antisemitismusvorwürfe immunisiert, wodurch die wahren Halunken Vorteile ziehen können.

      • fidelche schreibt:

        Bei Augstein und Grass und vielen entsprechenden Verteidigern ist der Vorwurf nun mal berechtigt. Nachdem die Juden über Jahrhunderte verfolgt wurden, in Auschwitz wurden sechs Millionen Juden von den Deutschen ermordet, fanden sie in dem neugegründeten Staat Israel Zuflucht. Israel ist der Staat der Juden, der einzige weltweit. Den Judenstaat ist kaum größer als Hessen, 1,5 Promille der Fläche der Staaten der Arabischen Liga. Das ist viel zu viel für Antisemiten. Seit Bestehen des Judenstaates versuchen die umliegenden Nachbarn (antisemitische Diktaturen und Terrorgruppen) das „Krebsgeschwür“ Israel (Ahmadinejad) zu entfernen. Netanjahu ist der in demokratischen Wahlen legitimierte Ministerpräsident des Staates Israel. Wenn Augstein von Netanjahu behauptet er führe die Welt am Gängelband, dann ist diese Aussage antisemitisch. Deutschland ist übrigens nicht der Staat der Protestanten, zumindest steht dies nicht in der Verfassung.

        Der Antisemitismus von Ahmadinejad, sein Krieg gegen die Juden, seine Endlösung wird von „kritischen Journalisten“ vom Schlage Augsteins arbeitsteilig begleitet.
        Die „Welt am Gängelband der Juden“,“ Israel die größte Gefahr für den Weltfrieden“, „Israel ist Schuld, dass in Deutschland die Schleckerfrauen arbeitslos wurden“, wie viele derartige Aussagen von Augstein braucht es?

        Augstein betreibt zudem den antizionistischen „Freitag“. In der angeschlossenen Community, die laut Augstein immer mehr mit dem Print zusammenschmelzen soll werden folgende Aussagen (in tausendfacher Weise) abgegeben und gegen jede Kritik von der Moderation geschützt:

        „Israel ist ein Staat, der systematisch Tausende von Menschen umbringt, obdachlos macht, Familien auseinander reißt und bei Menschen, die nicht sterben Traumata herbeiführt …. …für den Zionismus und die viehische Gewalttätigkeit seiner realen Vertreter… zum zionistischen Apartheidsstaat und den Greueln, den er an der palästinensischen Bevölkerung begeht. …. dem zionistischen Terrorismus und Staatsgründungswillen fiel den Amerikanern nach dem WKII ein nahezu perfektes Instrument in die Hand… die Lage wurde von zionistischen Schlächtern absichtsvoll und systematisch herbei geführt, viele von ihnen haben sich dazu bekannt. Die Errichtung des KZ Gaza zementierte diese Lage noch einmal… Die Gaza-Aktivisten wurden sowohl mutwillig wie gezielt hingerichtet….“

        Und das reicht immer noch nicht? Diese Obsession gegen Israel, diese alten antisemitischen Klischees, zu Beispiel die des rachsüchtigen Juden, diese Hetze gegen Juden in Israel, die angeblich genauso schlimm wie die Nazis sind machen nicht nachdenklich?

      • Michael Geyer schreibt:

        Die Verfolgung der Juden durch das nationalsozialistische Regime macht Kritik an einen jüdischen Staat per se zu einem Tabu? Das ist eine widersinnige Logik, die aufgrund rassistischer Merkmale (nämlich das Deutschsein) Ausschlusskriterien generiert. Sie machen dasselbe, wie Sie versuchen, zu kritisieren.
        Dazu dann Ahmadinedschad im selben Atemzug mit Grass und Augstein zu nennen, verfestigt den Eindruck. Es wird ein Feindbild erschaffen und es werden nicht mehr Individuen oder einzelne Positionen untersucht. Damit entzieht man sich prächtig einer Diskussion. Wie rechtfertigen Sie denn die Repressionen der israelischen Administration gegen Palästina? Erlaubt Antisemitismus das Mauerbauen, Wasser entziehen, die wirtschaftliche Grundlage zu zerstören, Steuergelder zurückzuhalten, Angriffe ohne Rücksicht auf Zivilverluste zu führen usw? Reicht da die Behauptung, es handle sich um Judenhasser (was ein trefflicherer Begriff wäre, da Palästinenser in einer rassistischen Betrachtung Semiten sind)?

        Wenn Augstein nun einen Beitrag in einer Community vor der Moderation schützt (wobei mir einerseits der Kontext, noch die Mechanismen bekannt sind, inwieweit Augstein Einfluss auf die Moderation hat), sehe ich einen solchen Beitrag noch lange nicht als Antisemitismus. Warum ist Antizionismus dasselbe und wieso darf man eine solche Position nicht äußern? Sie beziehen doch auch recht offen eine fragwürdige Meinung.

      • fidelche schreibt:

        Bis jetzt hat kein Verteidiger Augsteins die einzelnen Aussagen Augsteins untersucht. Mit meinem Kommentar habe ich belegt, das Israel der Staat der Juden ist und wenn Augstein behauptet Netanjahu führe die Welt am Gängelband, dann meint er die Juden, denn Netanjahu ist der gewählte Repräsentant Israels. Genauso wenig ist Israel nicht die größte Gefahr für den Weltfrieden. Diese antisemitischen Klischees lassen sich beinahe unendlich weiterführen. Israel ist nicht für die Toten von Bengasi und Sanaa verantwortlich. Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden. Augstein leugnet die Vernichtungsdrohungen Achmadinejads, er behauptet Achmadinejad wurde falsch übersetzt.

        Augstein behauptet außerdem: „Wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen“. Wer das antisemitische Ressentiment nicht erkennt hat sich kaum mit Antisemitismus beschäftigt. Wer denkt bei Augstein Rede nicht an den „jüdischen Strippenzieher“ und an den deutschen „Erfüllungspolitiker“?

        Die „Mauer“ dient dazu die israelische Bevölkerung vor Selbstmordattentätern zu schützen. Jeder Staat ist verpflichtet sich gegen Terror und Raketenangriffe zu schützen. Warum nicht Israel? Über die Wasserverteilung sollten Sie sich erst einmal informieren, bevor Sie von Wasserentzug reden. Auch Sie fallen auf alle diese Gerüchte herein.

        Augstein hat nicht nur diesen einen Kommentar geschützt, sondern tausende dieser Art. Mir ist das System des „Freitags“ sehr wohl bekannt, ich weiß wovon ich rede. Wenn für Sie das Zitat aus der Freitagscommunity nicht antisemitisch ist, dann ist die Diskussion für mich hiermit beendet.

      • Michael Geyer schreibt:

        Da ich kein Verteidiger, noch begeisterter Augsteinleser bin, ist es wohl nicht an meiner einer, ihn zu verteidigen. Ich trete nur für eine vernünftige Diskussionskultur ein. Diffamierungen mit dem Instrument des Antisemitismus halte ich hierbei für schädlich, ebenso wie man Wissenschaft, literatur oder Kultur nicht mit dem Verweis auf jüdische Herkunft kritisieren sollte.

        Entspechend stimme ich zu, dass Israel nicht die größte Gefahr für den Weltfrieden ist, jedoch aber für die Region. Weiterhin akzeptiere ich Meinungen, die von meiner abweichen und versuche ggf. sie mit Argumenten zu widerlegen. Folglich wirkt das pubertäre Gehabe ala „wenn das kein Antisemitismus ist, ist die Diskussion beendet“eben genau wie die kritisierte Haltung. Was macht Sie denn jetzt besser als den wahren Antisemiten? Weil in der Geschichte Juden verfolgt und ermordet wurden? Haben aufgrund dessen Ukrainer immer recht (siehe Holodomor). Oder muss man jetzt einen Kniefall vor den Indianer, Indern, Herrero oder sonst wem machen? Mit derlei Getue verfestigt man nur rassistische Anschauungen und trägt dazu bei, dass Konfliktlinien erhalten bleiben.

      • Louis Levy schreibt:

        Herr Geyer,
        Sie sagen „…nicht die größte Gefahr für den Weltfrieden […], jedoch aber für die Region.“ Welche Region meinen Sie? Die Region der umgebenden arabischen Staaten und Palästinensischen Autonomiegebiete, die auf Israels Vernichtung hinwirken wollen? Das ist wohl selbsterklärend, dass Israel für Angreifer eine Gefahr darstellt, sowie dies auch umgekehrt gilt, und nicht mal das wäre der Fall, würden diese umgebenden Regionen Israel nicht bedrohen und angreifen. Dass Sie die Gefahr „in der Region“ wieder nur in eine Richtung wahrzunehmen vermögen, sagt wiederum über die Einseitigkeit Ihrer Perspektive etwas aus. Was sagen Sie denn zu der Hamas-Praxis, aus Schulen, Kranken- und Wohnhäusern ihre Raketen auf Israel abzuschießen? Gefährdet Hamas damit nicht Israel UND palästinensische Zivilbevölkerung, werden dadurch nicht israelische Kollateralschäden provoziert, die dann wieder in „Israel-Kritik“ münden? Wie soll Israel auf so eine Praxis nach Ihrer Meinung reagieren, wenn der Beschuss nicht aufhört? Es geht auch nicht darum, wie schon gesagt wurde, dass keine Kritik an Israel zulässig wäre, nur Ressentiments als kritischen Journalismus tarnen zu wollen, das wird von mir als das entlarvt, was es ist: Antisemitismus.

        LL

      • Michael Geyer schreibt:

        Herr Levy, mit Region meine ich die unmittelbare Umgebung der Arabischen Halbinsel. Meine Bewertung erfolgt aus der Verhärtung der Konfliktlinien, die derzeit durch das Verhalten der israelischen Administration verschärft werden. Insbesondere die Verweigerung gegenüber Forderungen der Weltgemeinschaft, im speziellen diverser UN-Resolutionen.
        Ich stelle dabei nicht die Verantwortung und die Verletzungen diverser Abkommen durch palästinensische Akteure in Abrede. Selbst bezüglich der Anerkennung Palästinas vor der UN habe ich eine sehr skeptische Haltung, da dieses Vorhaben m.E. als Provokation dienen sollte. Jedoch ist Israel die dominante Regionalmacht und dazu noch Demokratie. Es steht daher in einem besonderen Fokus.
        Zusammenfassend versuche ich beide Perspektiven zu verstehen und keine absolute Schuld festzuhalten. Herrn Augstein oder Herrn Grass folge ich nicht, jedoch halte ich deren Argumentation für wichtige Bestandteile in dieser Diskussion. Sie mit Antisemitismus abzuwinken ist zu einfach. Oder wie würden Sie es bewerten, die Pro-Israel-Position als islamophob, antisemitisch (Palästinenser sind ebenfalls in der rassistischen Untergliederung Semiten), imperialistisch oder dergleichen bezeichnet. Eine solche Betrachtung pflege ich nämlich auch zu kritisieren (eben unter anderem auch einen Herrn Augstein).

      • Louis Levy schreibt:

        Es gibt meinerseits keine automatische Pro-Israel-Position, die möglicherweise „islamophob“ genannt werden könnte. Ich prüfe den Einzelfall, ob Kritik gerechtfertigt ist. Im Übrigen gibt es Unterschiede zwischen „antisemitisch“ und „islamophob“, wie auch zwischen „Ritualmord“, der nur in der Phantasie existiert, und „Ehrenmord“, der tatsächlich existiert. Das erste Phänomen hat also keinen realen Auslöser, das zweite einen realen Auslöser. Entsprechend gibt es auch z.B. unter Muslimen Märtyrer, unter Juden nicht. Durch die „Ritualmordlegende“ sind im Laufe der Geschichte zwar keine Christenkind, dafür aber umso mehr Juden umgekommen!
        lg LL

  2. Louis Levy schreibt:

    Hallo, Herr Geyer. Ich halte es für kennzeichnend in dieser Debatte, dass der Mainstream eher geneigt ist, sich mit der Zuverlässigkeit des SWC, denn den verschwörungstheoretischen Einwürfen Augsteins zu beschäftigen. Rabbi Cooper vom SWC, der 29 Jahre an Simon Wiesenthals Seite arbeitete, gibt an: „Wir hatten keinen Kontakt zu Henryk M. Broder – nicht vor, nicht während und nicht nach der Auswahl. Die redaktionellen Entscheidungen wurden alle in Los Angeles von den führenden Mitarbeitern unseres Zentrums getroffen. Die Wahl von Herrn Augstein gründet sich auf das, was er gesagt hat, und darauf, wie er es gesagt hat.“

    Glauben Sie wirklich, Netanjahu führe „die ganze Welt am Gängelband“, Israel gefährde den „Weltfrieden“ oder Gaza sei ein „Ort des Endzeitlichen“, ein „Lager“?

    lg LL

    • Michael Geyer schreibt:

      Verfolgt man Herrn Broders Blog des klangvollen Projektes „Die Achse des Guten“, findet sich nahezu die gleiche Argumentation, wie etwa beim SWC (http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ein_lupenreiner_antisemit_eine_antisemitische_dreckschleuder), zumal man im Report explizit Broder als Referenz nennt.

      Bezüglich der Israelpolitik gibt es mehrere Perspektiven. Eindeutig ist Israel umgeben von Feinden und muss dementsprechend aggressiv agieren. Diese Agression und Prävention erzeugt jedoch auch Verlierer, was amßgeblich Palästinenser trifft. Das zu diskutieren und die Ansicht zu vertreten, die israelische Administration handele moralisch falsch, muss erlaubt sein. Eine pauschale Entlastung nur aufgrund der religiösen Zugehörigkeit darf es m.E. nicht geben. Unabhängig davon, dass ich auch kein begeisterter Leser von Augstein bin, halte ich diese Vorwürfe für weit hergeholt.

      • Louis Levy schreibt:

        Natürlich muss man sagen können was die israelische Administration falsch macht! Die ist aber in den Gebieten der PA nicht zuständig. Augstein formuliert keine berechtigte Kritik. Warum wendet er sich nicht an die Hamas?

        lg LL

      • Michael Geyer schreibt:

        Was heißt nicht zuständig? Wer das Gebiet nach Gutdünken absperren, Steuergelder einbehalten oder darauf siedeln kann, entbehrt nicht der Zuordnung von Verantwortlichkeit für diverse Misverhältnisse. Auch die anhaltende Kritik aus der gesamten Weltgemeinschaft sollte zu Denken geben.

      • Louis Levy schreibt:

        „Nicht zuständig“ heißt, diese Gebiete werden von der PA verwaltet. Warum kritisieren Sie also nicht die PA, sondern haben ausschließlich Israel im Fokus? Ich räume ein, dass in dünnbesiedelten Gebieten der Westbank Zahal noch präsent ist. Aber das hat mit israelischer Sicherheit zu tun, denn Israel wird aus diesen Gebieten bedroht. Jedoch, wir schweifen vom Thema ab. Es geht um Augsteins Äußerungen. Hier ist es mir für künftige Entwicklungen wichtig eine Grenze für vermeintliche Kritik, die aber eigentlich nur Vorurteile kolportiert, zu ziehen. Der Antisemit unter der Maske des „kritischen Journalismus“, ist zu entlarven. Vielleicht verdeutlicht Ihnen das der Artikel von Samuel Salzborn „Antisemiten, das sind die anderen“ besser!

        lg LL

  3. Bluadrod schreibt:

    Augsteins „Israel-kritische“ Gedanken nur der Narrheit zu übereignen ist des, bewusst oder unbewusst, induzierten jüdischen Schadens wegen zu wenig!

  4. M. Breitenberger schreibt:

    Der Artikel von Rainer Trampert gehört zum Besten was ich bisher zum „Neuen Antisemitismusstreit“ gelesen habe. Nur schade, dass die meisten Augstein-Verteidiger ihn nicht lesen werden.

  5. rainer kühn schreibt:

    Der singuläre Artikel ist gar nichts, er muß sich einstellen in eine ‚Festung‘. Der blanke Inhalt muß eine Form kriegen. Sonst taugt er nur zum Vergessen. Aber ‚vergessen ist besser als bohren‘, jedenfalls in Festung.

  6. Louis Levy schreibt:

    Und doch ist er in diesem Fall vieles, gemessen am „beschwichtigenden Zusehen wie die Dinge sich entwickeln“, am „es wird schon alles seine Richtigkeit haben“, am „es kann nicht sein, was nicht sein darf“ usf. Auch wenn es keine Wahrheit gibt, so finden wir suchend das Bessere.

  7. rainer kühn schreibt:

    Was macht unser Jakob eigentlich heute? Wichtiger mir als das nächste kleine antisemitische Steak … wie etwa in Südamerika …

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