Homöopathie und Nationalsozialismus – Eine Symbiose

Euphorie und Goldgräber-stimmung herrschte in der Homöopathie während der Zeit des Nationalsozialismus. Gründe dafür waren einerseits, dass die Nationalsozialisten großes Interesse an der Homöopathie bekundeten, andererseits viele Homöopathen eine besondere Affinität zum  Nationalsozialismus verspürten. Im Rahmen der nationalsozialistischen Gesund-heitsreformen kam es zur Planung einer „Neue Deutsche Heilkunde“, einer Zusammen-führung der naturwissen-schaftlichen „Schulmedizin“ mit „biologischen Heilverfahren“ (u.a. Lebensrefombewegung und Homöopathie). Die „Neue Deutsche Heilkunde“ sollte die „Schulmedizin“ von angeblich jüdisch-marxistischen Elementen wie Reduktionismus oder kaltem Technizismus befreien und nebenbei auch noch Kosten einsparen, weil eine homöopathische Verabreichung in den meisten Fällen die wirtschaftlichste Form der Anwendung eines Heilmittels sei, soweit es sich um die echte, einfache Hahnemannsche Verordnung handelt,  wie Ministerialrat Eugen Stähle 1936 sinngemäß meinte. Schnittmengen mit der Homöopathie sahen die Nationalsozialisten in ihrer partiellen Wissenschaftsfeindlichkeit, der Betonung von Ganzheit und in der Volksverbundenheit.

So genoss die Homöopathie erstmals in ihrer Geschichte staatliche Unterstützung. An sieben deutschen Universitäten wurden Lehraufträge in Homöopathie erteilt. Die Zusatzbezeichnung „homöopathischer Arzt“ wurde eingeführt,  auf Erlass Hitlers wurden Professorentitel (z.B. an Ernst Bastanier, Hanns Rabe, Alfons Stiegele) verliehen. Während des „Dritten Reiches“ wurden dreizehn homöopathische Krankenhäuser gegründet, das bedeutendste davon war das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus.

Die Homöopathen, insbesondere die homöopathischen Laienverbände, bekannten sich häufig begeistert zur nationalsozialistischen Bewegung. Schon im April 1933 sandte Immanuel Wolf, Vorsitzender des „Reichsbundes für Homöopathie und Gesundheitspflege“ gemeinsam mit anderen eine loyalitätsbekundende Ergebenheitsadresse an Adolf Hitler, in der die „uneingeschränkte Mitarbeit an der Gesundheit des Volkes“ angekündigt wurde. Aufsätze erschienen in der Laienzeitschrift „Homöopathische Monatsblätter“ zur „Rassenhygiene“ und zu Nationalistisch-Völkischem, sogar zum Wert der Homöopathie für die Behandlung von Erbkrankheiten. Kritische Stimmen kamen nur vereinzelt und vorwiegend, weil man „durch die Zusammenschließung mit anderen Methoden eine Verwässerung der Lehre und einen Verlust der Eigenständigkeit“ befürchtete.

Der Schriftleiter des Zentralvereins, Hans Wapler ließ in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung vom Oktober 1933 einen Brief vom 6. August 1933 an Adolf Hitler abdrucken, in dem zu lesen war: „Das Ähnlichkeitsgesetz gilt sogar in Politik und Völkerleben. So wird zum Beispiel das deutsche Volk ein Sklavenvolk bleiben und nicht wieder hochkommen, wenn es nicht lernt, dem Nationalbewusstsein der Polen, Tschechen, Engländer und Franzosen ein ähnliches völkisches Deutschbewusstsein entgegenzusetzen.“ Danach folgte ein Dank an Hitler: „Heil Ihnen und Heil uns, dass Sie in diesem Sinne das Ähnlichkeitsgesetz in der deutschen Politik so erfolgreich zur Geltung gebracht haben. Im deutschen Namen Heil!“

Die Euphorie dämpfte sich erst, als im Rahmen einer Untersuchung der Homöopathie im Auftrag des Reichsgesundheitsamts zwischen 1936 und 1939 festgestellt wurde,  dass die staatlich geförderten klinischen Versuche keinerlei homöopathischen Erfolg zeigen konnten. Der Internist und  Homöopath Fritz Donner verfasste den sog. „Donner-Bericht“ zur Untersuchung, indem er die Ergebnisse der Untersuchungen als „totales Fiasko“ bezeichnete. Der Homöopathieärzte-Vorsitzende Hanns Rabe musste deshalb eingestehen, dass Homöopathie keine pharmakotherapeutische Methode, wie bisher angenommen, sondern eine Form der Psychotherapie sei und möglicherweise alle von Samuel Hahnemann und seinen Nachfolgern bei Hochpotenzprüfungen ermittelten Symptome nichts weiter als Placebosymptome sind.

Aus einem Gedächtnisprotokoll von Fritz Donner: „Wahrheitsgemäß müsste man antworten, dass bei der Arzneiprüfung nichts herausgekommen ist und dass bei den klinischen Versuchen bei keinem einzigen Patienten eine irgendwie für eine therapeutische Wirkung der eingesetzten Arzneien sprechende Reaktion eingetreten ist.“

Quellen:

Matthias Wischner: Kleine Geschichte der Homöopathie. Forum Homöopathie, KVC Verlag Essen 2004, ISBN 3-933351-41-3, außerdem Esowatch und Wikipedia

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